Studie über den Islam und seine gegenwärtige Bedeutung

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Studie über den Islam und seine gegenwärtige Bedeutung

Nayef Ballouz

Herausgegeben von Alexander Flores

https://doi.org/10.1515/9783110701616

Mit dem Werk Studie über den Islam und seine gegenwärtige Bedeutung, erschien im Oktober 2021 – in der Übersetzung von Alexander Flores – als Band 3 der Reihe Philosophie in der nahöstlichen Moderne eines der wichtigsten und bisher noch unpublizierten Werke des syrischen Philosophen Nayef Ballouz (gest. 1998). Ballouz, der Mitte der 1960er Jahre in der DDR lebte, hatte den Grundstein für diese Studie bereits in seiner 1968 beendeten Dissertation, die er unter der Betreuung des Philosophiehistorikers Hermann Ley mit dem Titel Der Frühe Islam und seine geisteskulturelle Vorgeschichte an der Berliner Universität  einreichte hatte. In seiner 1986 auf Arabisch verfassten und nicht publizierten Studie, unternimmt Ballouz eine philosophische Analyse der Genese des Islam nicht nur als religiöses, sondern auch als historisches und kulturelles Phänomen der Spätantike und weitet seine dialektische Untersuchung der Transformation des religiösen Bewusstseins auf die Entwicklung des Islam seit seiner Entstehung bis in die Gegenwart hinein aus.

Sarhan Dhouib schrieb dazu in seinem Artikel Zwei syrische Philosophen an der Humboldt-Universität zu Berlin: Nayef Ballouz und Tayeb Tisini (erschienen in der Zeitschrift weiter denken):

„In seiner Studie über den Islam und seine gegenwärtige Bedeutung gewinnt Ballouz’ Untersuchung des religiösen Bewusstseins an historischer und theoretischer Bedeutung. Ballouz löst sich hier deutlich von seinem Promotionsthema und wendet sich der arabischen Gegenwart zu, für die seine Überlegungen zur Struktur des religiösen Bewusstseins meiner Meinung nach ausschlaggebend sind (Ballouz 2021, Kap. 2). Neben der Analyse historischer Erscheinungsformen des religiösen Bewusstseins befasst sich Ballouz mit einer normativen Auffassung der Religion und betont dabei, dass sie mehrere Funktionen erfülle. Denn einerseits bilde die Religion eine gesellschaftliche und menschliche Notwendigkeit, wobei sie ein umgedrehtes Spiegelbild der Welt präsentiere. Andererseits übernimmt die Religion eine ideologische Funktion, in der zugleich Unterwerfung und Protest sowie Negativität und Positivität die beiden Seiten einer Medaille bilden (Ballouz 2021, Kap. 2).

Ballouz’ Verständnis des religiösen Bewusstseins kombiniert die normative Analyse, in der die Komplexität der Struktur dieses Bewusstseins theoretisch untersucht wird, mit den verschiedenen und konkreten Erscheinungsformen des religiösen Bewusstseins im Laufe der Geschichte. Eine derartige dynamische Herangehensweise bietet einen Schlüssel für Ballouz’ Auffassung der Religion beziehungsweise der Entwicklung des Islams bis in die Gegenwart.“

Die hier nun auf Deutsch verfügbare und erstmals publizierte Studie, kann einerseits dazu beitragen verbreiteten Vorurteilen über den Islam entgegenzuwirken und der Versachlichung aktueller Islam-Debatten im globalen Norden Vorschub zu leisten. Andererseits macht diese philosophische Analyse deutlich, dass in der islamischen Welt der Moderne Auseinandersetzungen mit dieser Religion keineswegs nur aus dem Lager des islami(sti)schen Diskursfeldes zu vernehmen waren und sind.

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